Bleigießen – Vorsicht bei der beliebten Tradition

Bleigießen

Bleigießen ist in vielen Haushalten ein Silvester-Klassiker und darf beim Rutsch ins neue Jahr nicht fehlen. Doch der Spaß birgt auch Gefahren. In unserer heutigen Webstory erfahrt ihr, woher das Bleigießen eigentlich stammt, wie genau es chemisch funktioniert und was man dabei unbedingt beachten sollte.

 

 

Der Ablauf des Bleigießens ist schnell erklärt: Ein Stück Blei wird in einem Löffel über einer Flamme erhitzt. Sobald es geschmolzen ist, wird es ins kalte Wasser geschüttet, dort erstarrt es zu unterschiedlichen Figuren. Anhand dieser wird dann eine Vorhersage über die Zukunft (insbesondere das neue Jahr) des Bleigießers oder der Bleigießerin getroffen.

Woher kommt die Tradition?

Woher der Brauch genau kommt, weiß man bis heute nicht. Man nimmt an, dass es sich beim Bleigießen um einen Orakel-Brauch handelt, der bereits im alten Rom entstanden ist. Die Römer waren nämlich das erste Volk, das in großem Maße Bleiherstellung und -Verarbeitung ausgeübt hat.

Dominikanermönch Thomas von Aquin wollte das Bleigießen angeblich einst für Christen verbieten, da er es für eine abergläubische Handlung und Gotteslästerung hielt. Allein Gott wisse die verborgenen, zukünftigen Dinge, meinte er, und der Mensch dürfe das Verbotene nicht vorhersagen. Offiziell untersagt hat die katholische Kirche den Brauch aber nie.

Was passiert beim Bleigießen genau?

Blei schmilzt bei 327 ,5°C, eine Kerzenflamme hat eine Temperatur von über 600 °C. Erhitzt man das Blei nun über einer Kerze, schmilzt es, da der Schmelzpunkt des Metalls überschritten wird.  Wenn man einen flüssigen Stoff unter seinem Schmelzpunkt abkühlt, wird er fest. Da die Wassertemperatur weit unter der Schmelztemperatur des Bleis liegt, erstarrt das Metall sofort.

Was macht das Bleigießen gefährlich?

Blei ist ein Schwermetall und schädlich für unseren Körper. Beim Erhitzen entstehen giftige Dämpfe, die über die Atmung in den Körper gelangen können. Auch durch das Anfassen der Bleifiguren kann das Gift in unseren Körper geraten. Blei kann das Zentralnervensystem und damit Hirnfunktion schädigen. Während des Bleigießens also unbedingt gut lüften!

Was viele vergessen: Die Bleifiguren und zum Schmelzen benutzten Löffel müssen richtig entsorgt werden. Der ordnungsgemäße Ort ist die Problemstoffsammelstelle, keinesfalls dürfen die Reste im Hausmüll landen, weil das giftige Schwermetall von dort in die Umwelt gelangen kann.

Alternativen zum Bleigießen?

Wer nun über eine umweltfreundlichere Alternative nachdenkt, könnte es zum Beispiel mal mit Zinn-gießen oder Wachsgießen versuchen – Zinn ist ein ungiftiges Metall, das noch dazu schneller schmilzt. Auch das Blei einfach durch geschmolzenes Kerzenwachs zu ersetzen, funktioniert gut.

Eine weitere Methode, um die Zukunft zu deuten, ist das Kaffeesatz-Lesen. Am besten gelingt das mit einem besonders starken Kaffeesatz. Für alle, die erst gar keinen Müll und Überreste produzieren wollen, gibt es mittlerweile sogar schon eine Bleigieß-App.

28.12.2017

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