Wassermessungen – Keine trockene Sache

Wir feiern 125 Jahre Hydrographischer Dienst Österreich

Grundwassermessstelle

„Großteils freundliches und ruhiges Herbstwetter im September 2019. Nur ein Tief über Oberitalien bringt im ersten Monatsdrittel im Westen und Süden teils kräftige Regenschauer und Gewitter. Bei leicht überdurchschnittlicher Lufttemperatur blieb die Niederschlagssumme mit räumlich großen Unterschieden, österreichweit ca. 10 Prozent unter dem Vergleichswert. Zum Monatsende kommen viele Gewässern in den Niederwasserbereich.“[1] – Wir alle kennen diese Wetteranalysen, doch wer macht sie und woher haben sie ihre Daten? 

 

Keine Wetterfrösche, sondern der Hydrographische Dienst

Frösche arbeiten nicht beim hydrographischen Dienst in Österreich. Den Blick in die (Wetter)-Zukunft ermöglichen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  Denn der Hydrographische Dienst stellt Daten zum Wasserkreislauf Österreichs zur Verfügung. Das bedeutet, dass wir dank der rund 150 Personen, die bei Bund und Ländern angestellt sind, rechtzeitig informiert werden, falls beispielsweise stürmische Wetter oder gar Hochwasser drohen.

 

Hydrographische Daten – Was ist das?

Die Hydrographie Österreich misst an 6.500 Messstellen Niederschlag, Lufttemperatur, Verdunstung, Schwebstoffe in Flüssen, Bächen und Seen, im Grundwasser und in Quellen. Damit verfügt Österreich über einen großen Pool an Wasserdaten, die aussagen, wie viel Wasser in Form von Niederschlag fällt, wie viel verdunstet, oder wie viel Wasser aus dem Ausland zu- und dann wie­der ins Ausland abfließt. Dieses Wissen ist wichtig, denn nur die genaue Kenntnis des Wasserkreislaufes ermöglicht einen nachhaltigen Umgang mit Wasser. Denn die Informationen schaffen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für den Schutz vor Naturgefahren oder den richtigen Umgang bei Trockenheit.

 

Schutz vor Hochwasser dank viel Engagement

Die Gefahr von Überschwemmungen ist vor allem während und nach starken Regenfällen in Österreich sehr hoch – einerseits aufgrund der Lage Österreichs und andererseits wegen unserem mitteleuropäischen Klima im sogenannten Alpenbogen: Starkniederschläge sind jederzeit möglich und so können auch Hochwasser auftreten.

An fast jedem größeren Gewässer in Österreich sind rund um die Uhr Prognosemodelle im Einsatz, um Vorhersagen zu berechnen und die Bevölkerung vor Hochwasser zu warnen. Dadurch, dass an möglichst vielen Messstellen Beobachtungen über einen langen Zeitraum angestellt werden, können Daten für unterschiedlichste Aufgabenstellungen bereitgestellt werden  – egal, ob es sich um eine Regenentwässerung für ein Siedlungsgebiet oder ein Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz handelt. Hochwasserschutzmaßnahmen schützen, trotzdem ist ein kompletter Schutz vor Naturgefahren nicht möglich.

Insgesamt betreuen neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hydrographischen Dienstes rund 2500 Personen die Messstellen und führen mit viel Engagement Kontrollmessungen durch.

 

Aufzeichnungen seit Kaisers Zeiten

Nur lange und vollständige Zeitreihen ermöglichen es, unberechenbare Naturereignisse berechenbar zu machen. Der steigende Bedarf an Wassernutzungen unterschiedlichster Art sorgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts dafür, dass die Wassersituation immer mehr ins Bewusstsein der Menschen gelangte. Zum Schutz der Bevölkerung und Infrastruktur musste ein funktionierendes Messnetz eingerichtet werden, um Wasserdaten messen und aufzeichnen zu können. Als Reaktion darauf wurde 1893 in Österreich das Hydrographische Central Bureau in der k.k. Monarchie als besondere Abteilung der obersten Baubehörde eingerichtet. Die Einrichtung eines Hochwassernachrichtendienstes für die Donau wurden durch die katastrophalen Hochwasserereignisse 1897 und 1899 noch beschleunigt.

Heute besteht der hydrographische Dienst Österreichs aus der Abteilung I/4 - Wasserhaushalt (HZB) des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, den hydrographischen Organisationseinheiten in den Bundesländern und der viaDonau - Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH, sowie einer Vielzahl an Beobachterinnen und Beobachter, die vor Ort die Messstellen kontrollieren.

 

Hier geht es zur eHYD, der aktuellen Hydrographie-Karte Österreich: https://ehyd.gv.at/

 

[1] letzte aktuelle Monatsdaten des Hydrographischen Dienstes

12.11.2019

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