Wie die Teenagerin Stella Bowles ihren Fluss rettete

Stella Bowles

Von einer 11-Jährigen, die keine Lust mehr auf unbegründete Verbote hatte und so die kanadische Regierung zu einer Investition von fast 16 Millionen Dollar brachte. Darum und wie sich ein kleiner Ort gegen die Gewässerverschmutzung zur Wehr setzt, soll sich die heutige Webstory drehen.

Mit Neugier und Experimentierfreude zur Antwort

Seit Stella Bowles denken kann, wird ihr immer wieder gesagt, dass sie nicht im Fluss in ihrem Heimatort Upper LaHave in der Nähe von Bridgewater, Kanada, schwimmen darf. Er sei von ungefilterten Abwässern kontaminiert, welche direkt von den Toiletten der Nachbarn in den LaHave River fließen würden. Wasser, das sauber aussieht aber so verdreckt ist, dass es eine Gefährdung für die Gesundheit darstellt? Diese Begründung fand Stella schwer zu begreifen, sie wollte den Grund dahinter verstehen.

Also schlüpfte sie in ihre Gummistiefel und entnahm dem Fluss Wasserproben, welche sie auf Teststreifen für Enterokokken platzierte, einer Bakterienart, die im menschlichen Darm vorkommt. Das Ergebnis war schockierend. Nicht nur die Tatsache, dass es eindeutig positiv war, sondern dass die Konzentration der Bakterien die erlaubten Grenzwerte zum Schwimmen und Bootfahren weit überstieg.

Wasserverschmutzung geht jeden etwas an

Da ihr kleiner Bruder und zahlreiche andere Bewohner und Bewohnerinnen ihres Ortes regelmäßig auf dem LaHave River segelten und damit ihre Gesundheit anscheinend ernsthaft gefährdeten, war Stella klar, dass sie handeln musste. Ihre erste Aktion war die Gründung einer Facebook-Gruppe, gefolgt vom Aufstellen eines Schildes am Flussufer mit den Worten „This river is contamined with fecal bacteria“ (Dieser Fluss ist mit Fäkalbakterien verunreinigt). Tausende Anwohner und Anwohnerinnen, die von den belastenden Fakten erfuhren, waren außer sich, denn die meisten von ihnen wussten weder über die prekäre Situation am LaHave, noch darüber, wie die Abwasserrohre in ihren eigenen Häusern verlegt waren, wirklich Bescheid.

Um die Situation weiter aufzuklären, wandte Stella sich an einen Physiker des Ortes und gemeinsam fanden sie heraus, dass es über 600 Haushalte waren, die ihre Toiletten direkt in den Fluss spülten. Auch diese Tatsache hielt Stella in Form eines riesigen Schildes am Ufer fest („600+ homes flush their toilet directly into this river“). Gemeinsam mit dem Wissenschaftler schärfte sie das Bewusstsein der Bewohner und wandte sich an die kanadische Regierung, welche schließlich ganze 15,7 Millionen Dollar für die Säuberung des LaHave-Flusses freigab. Außerdem sahen die Pläne vor, alle Abwasserrohre ohne Filter bis 2023 zu ersetzen.

Um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, veröffentlichte Stella Bowles in Zusammenarbeit mit einer kanadischen Autorin ein Buch. Außerdem verteilt sie Wasser-Testsets an andere junge Menschen in ihrer Region und zeigt ihnen, wie sie die damit die Wasserqualität vor Ort testen können. Sie sagt: „Ich will Kindern zeigen, dass Naturwissenschaften mehr als nur ein Buch in der Schule sind.“

08.10.2020

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