Studie „Wasserschatz“: Wie viel Wasser haben wir, wie viel brauchen wir?

Am 13. September 2021 wurde die Studie Wasserschatz Österreichs in einer Online-Veranstaltung veröffentlicht. „Erstmals haben wir in einer Studie eingehend für ganz Österreich den derzeitigen Wasserbedarf und die Entwicklungen in den nächsten 30 Jahren im Hinblick auf den Klimawandel untersucht“, betonte Bundesministerin Elisabeth Köstinger in ihrer Grußbotschaft. 

Damit liegt nun eine wesentliche Grundlage für nachhaltige Nutzungen des österreichischen Grundwassers vor. Denn, so Köstinger weiter: „Vor allem muss unser Trinkwasser weiterhin in ausreichender Menge und Qualität für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen.“

Österreich ist ein wasserreiches Land, die Grund­wasserressourcen sind jedoch unterschiedlich verteilt. Trockenperioden in den letzten Jahren führten regional und saisonal vereinzelt zu Engpässen.
Durch die Auswirkungen des Klimawandels, wie Niederschlagsänderungen, Temperaturanstieg oder erhöhte Verdunstung, können derartige Gegebenheiten zukünftig vermehrt auftreten.

Mit dem Projekt „Wasserschatz Österreichs“ hat das BMLRT die Erarbeitung detaillierter Fachgrundlagen für die sektorale Planung und für Vorsorgemaßnahmen beauftragt. Über zwei Jahre haben die Projektpartner Umweltbundesamt GmbH, Universität für Bodenkultur und das Ingenieurbüro DI Holler in einem breiten Prozess, unter Einbindung der neun Bundesländer und aller relevanten Stakeholder, an der nun vorliegenden Studie gearbeitet.

Zentrale Fragestellungen

  • Wie groß sind die nutzbaren Grundwasserressourcen – d. h. wie viel Grundwasser kann langfristig entnommen werden, so dass keine nachteiligen Auswirkungen entstehen?
  • Wie groß ist der Wasserbedarf für Trinkwasserversorgung, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft?
  • Wie sieht das Verhältnis zwischen Wasserbedarf und verfügbaren Grundwasserressourcen, also der Ausnutzungsgrad, jetzt und zukünftig aus?

Ergebnisse

  • Der aktuelle Wasserbedarf kann aus dem Grundwasser nachhaltig gedeckt werden.
  • Durch die Auswirkungen des Klimawandels können die verfügbaren Grundwasserressourcen in Österreich bis zum Zeithorizont 2050 um bis zu 23 % von derzeit 5,1 Mrd. m³ auf 3,9 Mrd. m³ abnehmen.
  • Wasserversorgung (inkl. mitversorgter Bereiche und Eigenversorgung Haushalte): Der aktuelle Wasserbedarf von 753 Mio. m³ pro Jahr wird sich bis 2050 um 11 bis 15 % erhöhen. Das bedeutet österreichweit einen künftigen Wasserbedarf von 830 bis 850 Mio. m³ pro Jahr. In einzelnen Gemeinden kann der Bedarf um bis zu 50 % steigen. Stärksten Einfluss darauf haben die Bevölkerungszunahme und der Klimawandel.
  • Landwirtschaft: Der Wasserbedarf für die Bewässerung ist regional und saisonal sehr konzentriert und kann sich bis 2050 beinahe verdoppeln. Trotz sinkender Viehzahlen ist aufgrund der Leistungssteigerung in der Viehzucht und durch die Zunahme an Hitzetagen mit einer Zunahme des Wasserbedarfs für die Viehwirtschaft zu rechnen.
  • Industrie und Gewerbe ist mit etwa 2.210 Mio. m³ pro Jahr mit Abstand der Wirtschaftssektor mit der größten Wasserentnahme. Davon werden rund 330 Mio. m³ pro Jahr aus dem Grundwasser entnommen. Bis 2050 wird mit geringen Bedarfsveränderungen gerechnet.
  • Im „Wasserschatzszenario günstig“ steigt die Nutzungsintensität bis 2050 in einigen Szenarienregionen. Die Anzahl der Gebiete mit sehr hoher Ausnutzung (größer 75 bis 90 %) nimmt zu, die Nutzungsintensität bleibt aber überall unter 100 %.
  • Im „Wasserschatzszenario ungünstig“ steigt in einigen Szenarienregionen die Nutzungsintensität über 75 % und in einigen Szenarienregionen kann der Bedarf die verfügbare Grundwasserressource übersteigen. Dadurch können sich regional Nutzungskonflikte ergeben.

Auf Basis der Erkenntnisse dieser Studie startet das BMLRT einen Diskussions- und Planungsprozess, um die Wasserversorgung für die verschiedenen Nutzungen in allen Regionen Österreichs in Zukunft sicherzustellen. Sektionschef Günter Liebel kündigte dazu die Einrichtung einer „Zukunftsplattform Wasser“ an.

Weiterführenden Informationen

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